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SSRQ SG III/4 13600226

Bündnis der Werdenberg-Heiligenberger gegen das Kloster Disentis

1360 Februar 26

Bündnis zwischen Albrecht III. dem Älteren und Albrecht IV. dem Jüngeren von Werdenberg-Heiligenberg mit ihren Oheimen Vogt Ulrich IV. dem Älteren von Matsch und Vogt Ulrich V. dem Jüngeren gegen das Kloster Disentis und seine Verbündeten von Rhäzüns und von Belmont sowie gegen Graf Rudolf IV. von Montfort-Feldkirch und seine Söhne. Die Werdenberger geloben, wenn sie wegen dieser Fehde mit den Gegnern ein Abkommen schliessen, sollen auch die Matscher, ihre Helfer und Diener in diesen Frieden eingeschlossen werden. Geschieht den Matschern wegen dieser Fehde ein Angriff, werden die Werdenberger ihnen helfen. Doch die Matscher sollen sie, ihre Helfer und Diener verpflegen. Die Werdenberger können den Matschern auch stellvertretende Helfer schicken.

Die Aussteller siegeln.

  • Signatur: Churburg Urk. 26.02.1360
  • Originaldatierung: 1360 Februar 26 (dru̍zechen hundert jar und darnach in dem sechtzigosten jare an der mitwuchen nach der alten vasnacht so man singet invocavit)
  • Überlieferung: Original
  • Beschreibstoff: Pergament
  • Format B × H (cm): 40.5 × 13.5
  • 2 Siegel:
    1. Albrecht III. von Werdenberg-HeiligenbergPerson, Wachs, rund, angehängt an Pergamentstreifen, gut erhalten
    2. Albrecht IV. von Werdenberg-HeiligenbergPerson, Wachs, rund, angehängt an Pergamentstreifen, gut erhalten
  • Sprache: Deutsch
  • Editionen
    Regesten

  1. In der TosterserOrt FehdeBegriff gegen Montfort-FeldkirchOrganisation um das ErbeBegriff von Hugo von Montfort-TostersPerson († 1359) suchen die Werdenberg-HeiligenbergerOrganisation nach neuen Verbündeten. Das Bündnis wird kurz nach dem Angriff der Montfort-FeldkircherOrganisation am 13. Januar 1360Datum: 13.1.1360 auf die Grafschaft WerdenbergOrt geschlosssen, nachdem die Werdenberger die beiden Töchter des Verstorbenen Hugo von Montfort-TostersPerson geraubt und sich seiner Besitzungen bemächtigt haben. Eine Tochter war noch zu Lebzeiten ihres Vaters einem Sohn von Graf Albrecht II. von Werdenberg-HeiligenbergPerson zur EheBegriff versprochen worden. Bei dem Angriff der Montfort-Feldkircher wird GrabsOrt erobert und zerstört, zahlreiche Adlige werden gefangengenommen und BuchsOrt besetzt. Die Montforter ziehen bis vor RheineckOrt, dem Stammsitz der Werdenberger. Deshalb verbünden sich Albrecht III.Person und Albrecht IV. von Werdenberg-HeiligenbergPerson mit ihren Verwandten von MatschOrganisation gegen Montfort-FeldkirchOrganisation und ihre Verbündeten. Wohl um die Matscher als Verbündete zu entschädigen, übergeben ihnen die Werdenberger einen Tag vor Abschluss des Bündnisses die Burg GreifensteinOrt (vgl. dazu BUB, Bd. 6, Nr. 3313, Nr. 3315; Ladurner 1871/1873, S. 161–165; Krüger Regesten, Nr. 374).

    In der Urkunde erscheinen die Herren von RhäzünsOrganisation und BelmontOrganisation als Verbündete von Montfort-FeldkirchOrganisation und als Gegner der Werdenberg-HeiligenbergerOrganisation, obwohl diese geographisch im RheintalOrt nicht vertreten sind. Die Rhäzünser und Belmonter stehen in der bereits 1352Datum: 1352 ausgebrochenen BelmonterOrt Fehde um die Herrschaft über Gebiete und Leute aus dem WildenbergerOrganisation Erbe in der SurselvaOrt den Werdenberg-Heiligenberger als Feinde gegenüber. Noch bis 1359Datum: 1359 stehen in dieser FehdeBegriff die Montfort-Feldkircher als Verbündete auf Seiten der Werdenberg-Heiligenberger. Wohl wegen der sich abzeichnenden Erbstreitigkeiten um Montfort-Tosters wechselt Rudolf IV. von Montfort-FeldkirchPerson die Seite und verbündet sich 1359Datum: 1359 mit den Feinden der Werdenberg-Heiligenberger (Burmeister 1996, S. 205–208; Rigendinger 2007, S. 221–222; Müller 1971, S. 46–47; Krüger Regesten, Nr. 370). Neu erscheint nun auch der Abt von DisentisOrt als Widersacher der Werdenberg-Heiligenberger. Während der Disentiser Abt Thüring von AttinghausenPerson versucht in der Belmonter Fehde zwischen den Parteien zu vermitteln, wendet sich nach dessen Tod 1353Datum: 1353 sein Nachfolger gegen die Werdenberg-Heiligenberger, die seit Mitte des 13. Jh.Datum: – die Klostervögte von Disentis sind. Krüger führt den Wechsel ins gegnerische Lager auf frühere Streitigkeiten um Vogteirechte zwischen dem Kloster und seinen Klostervögten zurück, die für das Kloster 1344Datum: 1344 nachteilig geendet haben und die der neue Abt wieder aufnimmt (Krüger Regesten, S.  188). Zu den zahlreichen und mächtigen Gegnern der Werdenberg-Heiligenberger kommt am 26. Juni 1360Datum: 26.6.1360 Herzog Rudolf IV. von Habsburg-ÖsterreichPerson hinzu, der dem Grafen Rudolf III. von Montfort-FeldkirchPerson und seinen Söhnen in der Tosterser Fehde Hilfe gegen die Werdenberg-Heiligenberger zusichert (AT-OeStA/HHStA UR AUR 1360 VI 26). Wie bereits 1356Datum: 1356 wendet sich Habsburg-ÖsterreichOrganisation gegen die Werdenberg-HeiligenbergerOrganisation, die bis anhin immer in einem engen Gefolgschaftsverhältnis zu Habsburg-Österreich standen (vgl. die Einleitung). Habsburg-Österreich nutzt wohl die durch die beiden Fehden geschwächte Position der Werdenberg-Heiligenberger im Rheintal und in Oberrätien aus, um den eigenen Einfluss im RheintalOrt zu vergrössern. In der TosterserOrt Fehde machen sich erste Anzeichen der später heftigen Auseinandersetzungen (SSRQ_SG_III_4_13990702) zwischen den Werdenberg-Heiligenbergern und den Habsburg-Österreichern um die Vorherrschaft im Rheintal bemerkbar. Noch bevor es zu weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen kommt, bitten die Parteien Kaiser Karl IV.Person im September 1360, sie zu versöhnen: Das EheversprechenBegriff bleibt gültig und die zwei Töchter erhalten je die Hälfte des väterlichen Guts. Rudolf III. von Montfort-FeldkirchPerson soll ihr VormundBegriff sein (Krüger Regesten, Nr. 378).

  2. Die geschwächte Position der Werdenberg-Heiligenberger nach der TosterserOrt FehdeBegriff wird auch in der Vereinbarung zwischen den Grafen von Werdenberg-HeiligenbergOrganisation und den Grafen von Montfort-FeldkirchOrganisation vom 24. Juli 1361Datum: 24.7.1361 deutlich, in der die beiderseitigen Ansprüche an montfortischen Eigenleuten, die in werdenbergische Städte eingebürgert werden, und das GeleitBegriff geregelt werden. Die Werdenberger dürfen Reisende nur noch Richtung ArlbergOrt bis zur Stadt FeldkirchOrt geleiten; die übrigen Reiserouten von FeldkirchOrt zum Arlberg oder zum BodenseeOrt kontrollieren fortan die Montforter (Original: AT-OeStA/HHStA UR AUR 1361 VII 24; Druck: Thommen, Urkunden, Bd. 1, Nr. 669; Regest: ChSG VII, Nr. 4754; Literatur: Rigendinger 2007, S. 222).Begriff

Editionstext

|Seitenumbruch

Wir, gffgraff Albrecht von WdenbgWerdenbergPerson, und ich, graf Albrecht von WdenbgWerdenberg, der jungerPerson, ku̇ndent allen den, die disen brief ansechent oder hoͤrent losen und verjechent offenlich an disem brief umbe die buntnustBegriff, als
wir uns mit unsern lieben oͤcheimenBegriff, vogt UͦlrUͦlrich von Metsch, dem elternPerson, vogt Uͦlrich von Metsch, dem jungernPerson, zesament verbunden und gelobpt habent, si zuͦ u̍ns und wir zuͦ inen, gen dem gotzhuss von TisentisOrt, den von Ru̍tzzOrtUnsichere Lesunga1
u̍nd gen dem von BellemontOrganisation, gen gffgraff Ruͦdolff von MontfortPerson, sinen su̍nen, gen allu iren helffern und dienern, die beidenthalb zuͦ den selben kriegen haft sint und ir alr erben, als die hantfestiBegriff2 seit, den wir von
inen inne habent.
Darumbe so habent wir und unser erben inen und ire erben gelobt, were dz, ob es darzuͦ kome und wir u̍ns von disen kriegenBegriff richten woͤltent eim oder beiden, so su̍llet wir und unser erben
si und ir erben allevart in die richtungBegriff nemen, si und alle ir helffer und diener, die zuͦ den kriegen haft sint an alle geverde. Und dz alle die, die zuͦ denselben kriegen haft sint, ir fru̍nd
darumb werdent und sient als oͧch unser an geverde, wan waz si oder ir erben darumb an gat obnan und unnan von dire vorbenempten krieg wegen. Darzuͦ so su̍llent wir inen und unser erben
inen und iren erben gehulffen sin mit lip und mit guͦt, ze ross und ze fuͦss, an alle geverde. Und were oͧch, dz si unser oder unser erben bedoͤrftent, ob wir enweren von dire krieg wegen, wenne dz beschicht,
so sont si und ir erben uns, unsern erben, helffern und dienern kostBegriff geben als si andern iren diener und helffern gebent an alle geverde. Wir haben oͧch uns selben usgedingen, were, dz unser eintwedre oder beid nit
selber dabi sin woltent noch moͤchtent, als vorbescheiden ist, so habent wir gewalt, einen andern erbern hoͧbtmanBegriff an unser stat ze schiken und ze geben mit unsern helffern und dienern ze ross und ze fûss
mit vollem gewalt und macht und in alr der wise als wir selber bi inen werent an geverde.
Wir, die vorbempten graven AlbrechtenPerson, beyde der elter und der jungerPerson, verjechent offenlich an disem brief und habent
darumbe offenlich ze den heilgen gesworn mit gelerten wortten und mit ufgehabnen handen alles dz stett ze hanndUnsichere Lesungb und ze leisten, als hie vor von u̍ns und unsern erben geschriben stat an alle geverde.
Und dez
ze einem urku̇nde, so habent wir unseru̍ ingresigelAuffällige Schreibung gehenkt an disen brief fu̇r u̇ns und unser erben, ob wir enwerent, ze einer bezu̇gnust der vorgeschribnen dingen. Dire brief ist geben ze WdenbergWerdenbergAusstellungsort,
da man zalt von gottz gebu̇rtte dru̍zechen hundert jar und darnach in dem sechtzigosten jare an der mitwuchen nach der alten vasnacht, so man singet invocavitOriginaldatierung: 26.2.1360.

|Seitenumbruch
[Vermerk auf der Rückseite von Hand des 15. Jh.:] Verbúnttnûs zwischen den
graffen von WerdenbergOrganisation und
denen von MetschOrganisation
1360
[Registraturvermerk auf der Rückseite:] 91

Anmerkungen

  1. Unsichere Lesung.
  2. Unsichere Lesung.
  1. Das BündnisBegriff richtete sich unter anderem gegen die Rhäzünser als Verbündete des Abts von Disentis, weshalb es sich hier um eine ungewöhnliche Schreibweise von Rhäzüns handeln muss.
  2. Diese Urkunde konnte nicht gefunden werden.