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SSRQ SG III/4 13660629

Friedensschluss der Grafen Albrecht III., Albrecht IV. und Hugo IV. von Werdenberg-Heiligenberg mit Schwyz

1366 Juni 29. Rheineck

Die Grafen Albrecht III., Albrecht IV. und Hugo IV. von Werdenberg-Heiligenberg schliessen mit Schwyz Frieden wegen aller Streitsachen, insbesondere wegen Thüring und seinen Erben wegen Gefängnis, Gülten (Grundpfanddarlehen) oder anderen Forderungen.

Die Aussteller siegeln.

  1. Dieser FriedensvertragBegriff zwischen SchwyzOrganisation und Albrecht I.Person, Albrecht II.Person und dessen Sohn Hugo IV. von WerdenbergPerson erscheint in keiner Urkundensammlung, auch nicht bei Perret (UBSSG) oder in den Regesten von Krüger (Krüger Regesten). Einzig in den Eidgenössischen Abschieden (EA 1, Nr. 119) findet sich dazu ein Eintrag. Auf welche FehdeBegriff oder Streitigkeit sich die Richtung bezieht, ist unklar. Laut Inhalt der Urkunde handelt es sich um eine Auseinandersetzung mit SchwyzOrganisation und besonders mit den Erben von ThüringPerson um GefangenschaftBegriff und SchuldenBegriff. Dass sich Thüring und seine Erben auf Thüring von AttinghausenPerson, Abt von Disentis, bezieht, der 1353Datum: 1353 stirbt, ist unwahrscheinlich, obwohl die Werdenberger mit dem Kloster DisentisOrganisation als deren KlostervögteBegriff wiederholt in Streit liegen (Krüger Regesten, S. 186–190). Die Formulierung Thüring und seine Erben kann sich nicht auf den Abt beziehen, da Äbte keine Erben hinterlassen. Da Albrecht I.Person zwischen 1352Datum: 1352 bis 1362Datum: 1362 in zahlreiche Fehden verstrickt ist (Burmeister 2006, S. 123), wird es schwierig sein, die Ursache für die Richtung mit Sicherheit festzulegen. Wahrscheinlich steht der Friedensvertrag in Zusammenhang mit den zahlreichen SchuldenBegriff der Werdenberg-HeiligenbergerOrganisation, in welche die Familie nach der Belmonter und der Tosterser FehdeBegriff geraten ist (vgl. die Kommentare SSRQ_SG_III_4_13600226). Wegen ihrer Schulden werden die Grafen zwar von Kaiser Karl IV.Person am 16. Mai 1364Datum: 16.5.1364 aus der AchtBegriff entlassen, jedoch mit der Ergänzung, dass alle Personen, die vor einem der LandgerichteBegriff die Acht gegen die Grafen erlangt hatten, ihre Klagen am 25. JuliDatum: 25.7.1364 vor dem kaiserlichen HofgerichtBegriff vorbringen sollten (Krüger Regesten, Nr. 398). Es ist möglich, dass SchwyzOrganisation und ThüringPerson bzw. dessen Erben zu diesen GläubigernBegriff gehört hatten.

  2. Vgl. dazu auch den Friedensschluss vom 11. November 1339Datum: 11.11.1339 zwischen Graf Albrecht I. von Werdenberg-HeiligenbergPerson mit den drei Waldstätten UriOrganisation, SchwyzOrganisation und UnterwaldenOrganisation, in dem er ihnen in seinem Gericht und Gebiet Frieden und Schirm zusichert (Edition: UBSG, Bd. 2, Nr. 1402; Mohr CD, Bd. 2, Nr. 266; Tschudi, Chronicon, Bd. 4, S. 292ff.; siehe auch Krüger Regesten, Nr. 281) sowie den Friedensschluss vom 29. November 1339Datum: 29.11.1339 zwischen Uri, Schwyz und Unterwalden einerseits und Thüring von AttinghausenPerson, Abt von Disentis, Graf Albrecht I. von Werdenberg-HeiligenbergPerson und seinen Verbündeten andererseits (Edition: QW I, Bd. 3.1, Nr. 293).

  3. Die Urkunde belegt, dass Albrecht I. von Werdenberg-HeiligenbergPerson im Juni 1366Datum: June 1366 noch am Leben ist. Bisher galt die Urkunde von 1364Datum: 1364 als Letzterwähnung (Krüger Regesten, Nr. 399). Er muss jedoch bald nach diesem Friedensschluss gestorben sein, mit Sicherheit vor dem 1. Oktober 1367Datum: 1.10.1367 (Krüger Regesten, Nr. 403).

Editionstext

|Seitenumbruch

Wir, graf Albrecht von WerdenbergPerson der alt, graf Albrecht der jungPerson und a–des sunUnsichere Lesung–a,
graf HugPerson, ku̍nden und vergechen offenlich mit urku̍nd dis briefs, fu̍r
uns und u̍nser erben, daz wir fru̍ntlichen und lieplichen verricht sin umb alle die
stoͤss und missehellung, ds si mit briefen oder mit anderen dingen, so wir untz uf disen hütigen tag gehept hant, mit den von SwitzOrganisation und irem land gemeinlich und sunderlich mit ThiringPerson und sinen erben, es si von vanunstBegriff wegen oder von gu̍ltBegriff wegen und
von aller der ansprachBegriff wegen, so si zuͦ u̍ns und wir zuͦ inen hatten ann alle geverde.
Und
darumb, daz disu̍ richtungBegriff steif und war und unverkert belibe, so henken wir, die
vorgeschriben herren von WerdenbergOrganisation, alle drüe u̍nser aygen yngesigel an disen
offennen gegenwirtigen brief, u̍ns und u̍nsern erbenn ze einer vergicht der
sache. Der gebenn ist ze RineggAusstellungsort, an sant PeterPersons tag nach CristusPerson gebu̍rdt dru̍
cechenn hundert jar und darnach inn sechs und sechtzigostem jare
Originaldatierung: 29.6.1366
.

|Seitenumbruch
[Vermerk auf der Rückseite von Hand des 15. Jh.:] Ein richtung brieff zwüschent
graff Albrecht von WerdenbergPerson
und anderen herren harinne genempt b
[Registraturvermerk unterhalb des Textes:] No 11

Anmerkungen

  1. Unsichere Lesung.
  2. Hinzufügung unterhalb der Zeile von späterer Hand: und denen von SchweytzOrganisation 1366.