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SSRQ SG III/4 14041227

Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, XIV. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons St. Gallen, Dritter Teil: Die Landschaften und Landstädte, Band 4: Die Rechtsquellen der Region Werdenberg: Grafschaft Werdenberg und Herrschaft Wartau, Freiherrschaft Sax-Forstegg und Herrschaft Hohensax-Gams, von Sibylle Malamud

Zitation: SSRQ SG III/4 14041227

Lizenz: CC BY-NC-SA

Herzog Friedrich VI. von Habsburg-Österreich nimmt die Grafen von Montfort-Tettnang mit Burg und Stadt Werdenberg in Schutz und Schirm

1404 Dezember 27

Herzog Friedrich VI. von Habsburg-Österreich urkundet, dass ihm Graf Heinrich IV. von Montfort-Tettnang mit seinen Söhnen Rudolf VI., Wilhelm V. und Hugo IX. Burg und Stadt Werdenberg, solange sie ihr Pfand sind, geöffnet haben. Deshalb nimmt er die Grafen mit Burg, Stadt, Leuten und Gütern in seinen Schutz und Schirm.

  • Signatur: AT-OeStA/HHStA AUR HS R 57, fol. 14v–15r
  • Frühere Signatur: AT-OeStA/HHStA Cod. 410, fol. 11r, Nr. 48
  • Originaldatierung: 1404 Dezember 27
  • Überlieferung: Aufzeichnung (46 Seiten), 1404 Januar 1 – 1406 Dezember 31
  • Beschreibstoff: Pergament/Papier, eingebunden in Karton
  • Format B × H (cm): 16.0 × 24.0
  • Sprache: Deutsch
  • Regesten

  1. Der Eintrag stammt aus dem Kanzleibuch (1404–1406) über die Besitzungen von Habsburg-ÖsterreichOrganisation in SchwabenOrt und der SchweizOrt im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien (AT-OeStA/HHStA AUR HS R 57, fol. 14v–15r). Die Originalurkunde ist nicht mehr erhalten.

  2. BurgOrt und Stadt WerdenbergOrt erscheinen hier als PfandBegriff in Besitz der Grafen von Montfort-TettnangOrganisation und nicht mehr in demjenigen der Grafen Werdenberg-HeiligenbergOrganisation. Nach Krüger könnte die Grafschaft WerdenbergOrt bereits am 29. Juli 1401Datum: 29.7.1401 in Besitz von Graf Heinrich IV. von Montfort-TettnangPerson gewesen sein (Krüger Regesten, S. 253). Seine Annahme lässt sich jedoch nicht belegen. Der Übergang der Grafschaft Werdenberg als Pfand an die Grafen von Montfort-Tettnang bleibt offen, da ein Pfandbrief fehlt und die vorhandenen Angaben widersprüchlich sind.

    Mit Sicherheit ist die Grafschaft WerdenbergOrt noch vor Mitte 1404 in den Händen von Heinrich IV. von Montfort-TettnangPerson. Nach der ChronikBegriff von Ulrich TränklePerson wird am 10. August 1404Datum: 10.8.1404 WerdenbergOrt durch österreichische Truppen eingenommen (Winkler 1973, S. 34), weil dem Herzog Friedrich IV. von Habsburg-ÖsterreichPerson und seinem Bruder ain smaeh und unzucht auf der Burg WerdenbergOrt durch Graf Wilhelm V. von Montfort-TettnangPerson, Sohn von Heinrich IV. von Montfort-TettnangPerson, widerfahrenBegriff ist (Kürger Regesten, Nr. 649. Nach Burmeister 1991, S. 18, wird offenbar Albrecht III. von WerdenbergPerson, habsburgischen Gefolgsmann und Onkel von Rudolf II.Person und Hugo V.Person von Werdenberg-Heiligenberg aufgrund von Schulden gefangengesetzt). Werdenberg kommt für kurze Zeit in die Hände von Habsburg-ÖsterreichOrganisation, wird jedoch noch vor dem 13. Feburar 1405Datum: 13.2.1405 wieder Heinrich IV. von Montfort-TettnangPerson, dem Vater von Wilhelm V., übergeben (Burmeister 1991, S. 18). Die schnelle Rückgabe ist wohl darauf zurückzuführen, dass auch Heinrich IV. von Montfort-Tettnang ein führender Parteigänger von Habsburg-ÖsterreichOrganisation ist.

    Die Eroberung richtet sich also nicht gegen Rudolf II. von Werdenberg-HeiligenbergPerson, wie Tschudi angibt (Tschudi, Chronicon, Bd. 1, S. 618). Wahrscheinlicher sind die Angaben von Ulrich TränklePerson: Der Chronist stammt aus Feldkirch. Er zählt in chronologischer Reihenfolge in knapper, nüchterner Form einzelne Ereignisse aus der Zeit seines Herrn Rudolf V. von Montfort-FeldkirchPerson sowie nach dessen Tod 1390 bis 1412 auf. Nach Stettler schildert Tränkle z. B. die Ereignisse zu den AppenzellerkriegenBegriff zwar nicht sehr ausführlich, dafür jedoch mit historisch korrekten Angaben (vgl. Stettler 2004, S. 34–35; zur Glaubwürdigkeit siehe auch Winkler 1973, S. 14). Damit würde auch die Urkunde vom 22. August 1404Datum: 22.8.1404 Sinn ergeben, worin Herzog Friedrich IV. von Habsburg-ÖsterreichPerson urkundet, dass er die eroberte Burg WerdenbergOrt, die als PfandBegriff um 10'400 Pfund an die Grafen Montfort-TettnangOrganisation gekommen ist, den letzten Grafen Rudolf II.Person und Hugo V. von Werdenberg-HeiligenbergPerson wieder einlösen will (Krüger Regesten, Nr. 649; Vanotti 1845, S. 256, Anm. 1). Leider lässt sich die Urkunde nicht finden. Krüger und Vanotti geben als Quelle Lichnowsky Regesten, Bd. 6, Nachträge Nr. 639b an. Dieser wiederum verweist dort allgemein auf das «k. k. g. A» (königliches und kaiserliches geheimes Archiv), womit das HHSTA Wien gemeint ist. Im HHSTA Wien ist die Urkunde jedoch nicht vorhanden (besucht: 14.10.2016).

    Den Grafen von Werdenberg-HeiligenbergOrganisation gelingt es nicht mehr, die Grafschaft WerdenbergOrt wieder auszulösen. Diese bleibt bis zum Tod von Wilhelm VIII.Person 1483 in den Händen der Grafen von Montfort-Tettnang. Zum Ende des Grafengeschlechts der Werdenberg-Heiligenberg vgl. den Kommentar in SSRQ_SG_III_4_14140502.

Editionstext

a
Wir, FridrFridrichPerson1 etcAbkürzung: et cetera, bekennen, als dy edeln, unßer lieben oͤheimenBegriff, graf Hainrich
von Montfort, herr zu Tetnang
Person
, und graff RuͦdolfPerson und graf WilhelmPerson,
seine sûne, fûr sich selber und den edeln, unsern lieben oheim, graf HaugenPerson,
auch des vorgenvorgenannten graf HainrichenPerson su̍ne und iren pruͦderBegriffn und ir erben den
hochen fu̍rsten, unßern lieben pruͦdern, uns und unßern erben dy vestBegriff und statOrt
WerdembergOrt, alle dy weil dy ir satzBegriff sind, geoffennt und aufgetan habent [fol. 15r]Seitenumbruch
zu allen unßern notdurften nach des prieffs sag, den wir darumb von in
haben, das wir also hingegen dießen grafenBegriff mit sambt der egenegenannten vestOrt und
stat WerdembergOrt und allen den leuten und guͤtern, so darzu gehoͤrend,
inn unsern besunder gnad und schermBegriff genomen haben und nemen auch
wissentlich mit dem brief. Und wellen und su̍llen sy auch alle dy weil
dieselben vestBegriff und statBegriff also satz weisBegriff inne habent, hanthaben und
schwermen zum rechten als andere unsere dyenerBegriff und undertanen, getrüwlich
und ungevêrlich.
Mit urkund ditz priefs etcAbkürzung: et cetera, datdatum ut supsupraSprachwechsel: Latein2.

Anmerkungen

  1. Hinzufügung oberhalb der Zeile von späterer Hand: WerdenbergOrt.
  1. Die vielen Abkürzungen werden stillschweigend aufgelöst.
  2. Eintrag unter dem 27. Dezember 1404Datum: 27.12.1404.