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SSRQ SG III/4 14230604

Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, XIV. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons St. Gallen, Dritter Teil: Die Landschaften und Landstädte, Band 4: Die Rechtsquellen der Region Werdenberg: Grafschaft Werdenberg und Herrschaft Wartau, Freiherrschaft Sax-Forstegg und Herrschaft Hohensax-Gams, von Sibylle Malamud

Zitation: SSRQ SG III/4 14230604

Lizenz: CC BY-NC-SA

Schiedsspruch von Freiherr Wolfhart V. von Brandis im Streit zwischen Sennwald und den Leuten von Sax und Salez um Nutzungsrechte auf dem Saxer Riet

1423 Juni 4. Feldkirch

Freiherr Wolfhart V. von Brandis schlichtet auf Bitte von Freiherr Diepold von Sax-Hohensax und Johann von Sax-Hohensax zusammen mit Klaus von Lötsch, Landammann des Grafen Heinrich von Werdenberg-Sargans im Walgau, Hermann Ätti, Bürger von Feldkirch, Burkhard Plattner von Werdenberg und Hans Signer von Gamprin den Streit zwischen den Kirchgenossen von Sennwald, die unter Tornen, oberhalb von Mur und unter Lienz wohnen, sowie den Dorfbewohnern von Sax und Salez um den Weidgang im Frühling auf dem Saxer Riet.

Die Schiedleute siegeln beide Ausfertigungen. Burkhard Plattner siegelt auch für Hans Signer.

  • Signatur: StASG AA 2a U 01
  • Frühere Signatur: StASG AA 2a U 1
  • Originaldatierung: 1423 Juni 4
  • Überlieferung: Original
  • Beschreibstoff: Pergament
  • Format B × H (cm): 43.0 × 22.0
  • 4 Siegel:
    1. Wolfhart V. von BrandisPerson, Wachs, rund, angehängt an Pergamentstreifen, bestossen
    2. Klaus von LötschPerson, Wachs, rund, angehängt an Pergamentstreifen, gut erhalten
    3. Hermann ÄttiPerson, angehängt an Pergamentstreifen, fehlt
    4. Burkhard PlattnerPerson, Wachs, spitzoval, angehängt an Pergamentstreifen, bestossen
  • Ausstellungsort: Feldkirch
  • Sprache: Deutsch
  • Regest
    • LUB II, 4. Juni 1423

  • Signatur: OGA Sax
  • Originaldatierung: 1601 Januar 1 – 1700 Dezember 31
  • Überlieferung: Abschrift (Doppelblatt)
  • Beschreibstoff: Papier
  • Format B × H (cm): 21.0 × 29.5
  • Sprache: Deutsch
  • Signatur: StASG AA 2 A 01-03
  • Frühere Signatur: StASG AA 2 A 1-3
  • Originaldatierung: 1701 Januar 1 – 1800 Dezember 31
  • Überlieferung: Abschrift (Doppelblatt)
  • Beschreibstoff: Papier
  • Format B × H (cm): 21.0 × 29.5
  • Ausstellungsort: Feldkirch
  • Sprache: Deutsch
  • Signatur: PA Hilty S 006/139-28, S. 72–77
  • Originaldatierung: 1801 Januar 1 – 1900 Dezember 31
  • Überlieferung: Abschrift (Doppelblatt, Einzelblatt)
  • Beschreibstoff: Papier
  • Format B × H (cm): 22.5 × 35.5
  • Sprache: Deutsch

  1. Im Nutzungskonflikt zwischen den Kirchgenossen von Sennwald und den Dorfgenossen von Sax und Salez zeigen sich deutlich die zu einem Verband gefestigten Dorf- oder Kirchgenossenschaften in der Region Werdenberg (vgl. dazu auch SSRQ_SG_III_4_13341202). Die jeweiligen Bewohner des Dorfes oder des Kirchspiels treten gemeinschaftlich organisiert und nach aussen als einheitlichen Verband auf, um ihre Angelegenheiten und Interessen zu vertreten und durchzusetzen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage der Allmendnutzung. Zur Bildung der Dorfgenossen und der Dorfgemeinden vgl. HLS, Rösener 1985, S. 155–176; Bader 1964; einen Überblick zur historischen Forschung zum Dorf bietet Hürlimann 2000, S. 169–173. Zu den Aufgaben und Funktionen eines Dorfes vgl. Hürlimann 2000, S. 174–177. Die Gemeinschaft der Stadtbürger von WerdenbergOrganisation wird bereits etwas früher fassbar (vgl. SSRQ_SG_III_4_14131021; SSRQ_SG_III_4_14190131). Erstmals werden auch die Grenzen des Kirchspiels Sennwald genannt. Zu den Grenzen der Kirchspiele Grabs und Gams vgl. SSRQ_SG_III_4_14560618.

  2. Zum Saxer RietOrt vgl. auch Urteil (5.12.1545Datum: 12.5.1545) und Appellation (15.6.1546Datum: 15.6.1546) zwischen den Leuten von SalezOrganisation, SaxOrganisation und HaagOrganisation über den gemeinsamen Weidgang auf dem Saxer RietOrt (EKGA Salez, 32.01.51, Herstellungswirtschaft, Landwirtschaft; StASG AA 2a U 14):

    1. Haag nutzt zusammen mit Salez und Sax das Saxer Riet, darf jedoch nur diejenigen Tiere auftreiben, die es auf den eigenen Gütern überwintert hat.

    2. Wenn jemand von Haag im FrühlingBegriff PferdeBegriff oder RinderBegriff kauft, darf er diese nicht auf dem Saxer Riet weiden lassen.

    3. Wenn jemand von Haag Stroh oder Heu kauft und dieses nicht aus seinen Eigengütern bezieht, darf er die Tiere auch nicht auf das Saxer Riet lassen.

    4. Zieht ein Fremder in die Gemeinde, darf er seine Tiere auch nicht dort weiden lassen, ausser er wird von der Herrschaft und der Gemeinde in das Bürgerrecht aufgenommen.

  3. 1788Datum: 1788 kommt es zu einem langwierigen Streit zwischen den Leuten von Haag, Salez, SennwaldOrganisation und Sax wegen des Auftriebs von SchafenBegriff durch die Saxer auf den gemeinsamen WeidgangBegriff im Saxer Riet. In einer Ratserkenntnis vom 9. Februar 1788Datum: 9.2.1788 wird Sax bei seinen alten Rechten laut Spruch von 1423Datum: 1423 geschützt. Damit aber die drei Gemeinden am RheinOrt, Sennwald, Salez und Haag, in ihrer für den Unterhalt der Wuhren nötigen Pferdezucht nicht behindert werden, darf Sax nicht mehr als 700 Schafe weiden lassen und muss diese am alten Maitag abtreiben (OGA Sax ohne Signatur; OGA Sennwald, Mappe Verschiedene Dokumente: Wasser, Strassen, Marken, Wald etc.).

Editionstext

Ich, Wolfhart von Brandes, fryger herrePerson, in der hienach geschirbnenAuffällige Schreibung sach gemain man, Claus von LoͤtschPerson, an dirre zite des edeln, wolgeborn, mins gnaͤdigen herren
grauff Hainrichs von Werdenberg von SangansPerson landamman in WalgoͤwOrt, und Herman AͤttiPerson, ain burger zuͤ VeltkirchOrt, baid zuͦgesetzt schidlûtBegriff von wegen der lûtOrganisation allesampt
gemainlich gesessen in Sennwalder kirchspelOrt merklich underm TornachOrt und dem waldBegriff dem vorstBegriffTextvariante in StASG AA 2 A 01-03: borsta1 und obrenthalb b–MurortOrt2Textvariante in StASG AA 2 A 01-03: Wurort–b under der LientzOrt, niemant dârinne usgenomme
noch hindan gesetzt, ains tails, Burkart BlattnerPerson von WerdenbergOrt und Haͤnni SignerPerson von GampprinOrt, och baid zuͤgesetzt schidlût von wegen der dorfflu̍thBegriffen gemainlich
ze Sax
Organisation
und ze SaletzzOrganisation, och niemant darinn usgenommen noch hindan gesetzt, des andern tails, vergehent all fu̍nf mit disem brief und tuͦnd kund aller meͣnglich von soͤlicher zwayung,
speͣnne und stoͤßBegriff wegen, so lang zite zwischen baiden parthyen obgenannt bisher gewesen sind, nammlich alle jâr am fruͤlingZeitspanne: Frühling von wunne und waidBegriff und och von uftribenBegriff und
abtribenBegriffs ir vichBegriffs wegen uff SaxerrietOrt. Das da baidtail lu̍te und sunderlichen darzuͦ und darîn begriffen die vesten und edeln Diepolt von SaxPerson, fryger herre, und
Hanns von SaxPerson, gesessen uff FrischenbergOrt, won die baid mit sampt baiden obgenamten parthyen von ir selbs und derselben obgedachten lu̍ten von soͤlicher wunn, waid, uff
und abtribens wegen sy darumbe zuͦ entschaiden willenklich uff uns komen sind, uns gebetten, getrûwt und verhaissen haben, wie wir sy harinne zuͦ der minneBegriff entschaiden
und darumb ussprechen, dar sy, ir erben und nâchkommen denselben, u̍nser spruch ewigklich halten wellen und dem bi iren trûwen gnuͦg tuͦn sollen. Und also wir
uns des von ir ernstlichen bett angenomen und nach baiderteil verhörung ir kuntschafft, red und widerred alle fûnf luter ainhelleklich zuͦ der minne entschaiden,
inen usgesprochen haben und sprechen also mit disem offenn gegenwûrtigen brief:
Des ersten, daz die kirchgenossenBegriff, die zuͦenander inn SennwaldOrt ze kirchen gehoͤrent
und nammlich zwischen den obgenamten markenBegriff sesshafft sind, alle gemainlich oder sunderlich, all ir erben und nâchkomen, alles ir vich und roßBegriff ald welherlay ander
ir vich daz ist, nu̍tzit usgenommen, nû hinnanthin ewigklich und ains jeglichen jars jaͤrklichWiederholte Zeitspanne: 1 Jahr besunder uff dem obgenamten SaxerrietOrt, nammlich siben tagZeitspanne: 7 Tage ze
usgaͤndem maygenDatum: Mai und siben tagZeitspanne: 7 Tage ze zugaͤndem brâchotDatum: Juni anenander nach ir notdurfft waiden sond und mugent. Und nach den vierzehen tagenZeitspanne: 14 Tage sollen sy irû
roß je dennocht sechs tagZeitspanne: 6 Tage dâselbs lenger haben und waiden, alles âne gevaͤrde.
Item so soͤllen die lût von SaxOrganisation und von SaletzzOrganisation, all ir erben und nachkomen
nû hinnanthin ewigklich und ains jeglichen jars besunder vonn angandemBeschädigung durch Falt, ergänzt nach StASG AA 2 A 01-03c fruͤlingZeitspanne: Frühling bis ûntz an den vierden tag vor sant JohannPersons tag ze sûnnwendenDatum: 20. Juni uff SaxerrietOrt
mitBeschädigung durch Falt, ergänzt nach StASG AA 2 A 01-03d allem irem vich, welherlay das ist, nutzit usgenomen och also waiden ane all gevaͤrde.
Und sunder so soll das obgenamt SaxerrietOrt dâruf und hieru̍ber
aͤllu̍ jar gepannot und derselb panneBegriff gehalten werden, als danne von alter her umb pannen, sitt und gewonlich gewesen ist ane alle gevaͤrde.
Die von SaxOrganisation und
die von SaletzzOrganisation, alle ir erben und nachkomen sond sich och nû hinnanthin mit iren schwinenBegriff beschaidenlich halten zuͤ wayden und ungevärlichen, als sy bishar och
getan haben und sitt und gewônlich gewesen ist.
Und ze wârem, offenen urku̍nd und gerechter, vester sicherhait und guͦter, ewiger gezu̍gknu̍sse, so haben wir, obgenant
Wolffhart von BrandesPerson, fryger herr, gemain man, Claus von LoͤtschPerson, Herman AͤttiPerson und Burkart BlattnerPerson, schidlût, alle vier, u̍nsru̍ aignu̍ insigel, sunderlich Burkart
Blattner
Person
das min och von wegen mins mittgesellen Haͤnni SignerPersons bett offenlich gehenkt an disen spruchbrief, der zwen glich von wort zuͤ wort geschriben sind,
doch uns allen fu̍nfen und ûnser aller erben unschaͤdlich, des och ich, Haͤnni SygnerPerson, also alles under mins mitgesellen Burkart BlattnerPersons insigel selb vergichtig
bin nâch diss brieffs lut und sag, geben ze VeltkirchAusstellungsort, do man zalt nach CristPersons gepurte vierzehenhûndert und im dritten und zwaintzigosten jâren an dem
naͤchsten fritag nâch ûnsers herren fronlichams tag.
Originaldatierung: 4.6.1423

|Seitenumbruch

Anmerkungen

  1. Textvariante in StASG AA 2 A 01-03: borst.
  2. Textvariante in StASG AA 2 A 01-03: Wurort.
  3. Beschädigung durch Falt, ergänzt nach StASG AA 2 A 01-03.
  4. Beschädigung durch Falt, ergänzt nach StASG AA 2 A 01-03.
  1. Forst ist hier möglicherweise appellativisch gemeint (Mail von Hans Stricker, 4.3.2017). Es könnte sich jedoch auch entweder um das Waldstück und Wiesland ForstOrt südlich von SennwaldOrt handeln in der Ebene westlich von Bad ForsteggOrt (Stricker 2017, Bd. 6, S. 191) oder um die bewaldete Kuppe mit Namen Forst südlich der Burg ForsteggOrt.
  2. Die Zuordnung zu Mur in ortsnamen.ch ist unsicher. Mur heisst es im Nordosten von Sennwald, beim BergliOrt. Der Ort liegt in der Nähe des BofelbachsOrt, der als GrenzeBegriff zwischen SennwaldOrt und LienzOrt genannt wird (SSRQ_SG_III_4_14940703_1; StASG AA 2 B 001a, fol. 164r–165r). Ort könnte hier als Appellativ (für Rand, Ecke, Kante oder Mauer) stehen (Mail von Hans Stricker, 4.4.2017).