Rechtsquellenstiftung
des Schweizerischen Juristenvereins
Die Rechtsquellenstiftung ist ein schweizerisches Forschungsunternehmen, das Quellen
alten Rechts bis 1798 in der Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen ediert.

Die Rechtsquellen von Bischofszell


Oben: Bischofszell. Marktgasse mit Bürgerhäusern (rechts) und Rathaus (links) mit der Fahne Bischofszells (Krummstab und Hand des Bischofs von Konstanz). Alle diese Bauten wurden nach dem Stadtbrand von 1743 innerhalb von wenigen Jahren wieder aufgebaut.
Unten: Bischofszell. Steinerne Brücke mit 8 Jochen über die Thur aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Eine rechtshistorische Besonderheit: Hier wurde von Anfang an bis in die Zeit der Französischen Revolution nie ein Brückenzoll erhoben.

Bearbeiter:

 

Dr. phil. Martin Salzmann
Neptunstr. 97
CH-8032 Zürich

 

Tel.:     0041 (0)44 383 02 03

E-Mail

 

 

Kurzbeschrieb des Projekts:

Das Städtchen Bischofszell liegt im Südosten des Kantons Thurgau an der Grenze zum Kanton St. Gallen im heutigen Oberthurgau. Die erhöhte Lage der ummauerten Siedlung unweit der Einmündung der Sitter in die Thur übte schon früh mit den beiden die Flüsse überquerenden Steinbrücken eine wichtige Durchgangsfunktion in dieser Gegend aus.

Die Entstehung von Stadt und Stift Bischofszell – Episcopaliscella – geht zurück ins ausgehende Frühmittelalter. Wie der Name besagt, war Bischofszell das Haus des Bischofs von Konstanz und mit Arbon, Güttingen und Gottlieben eines seiner vier «Häuser» im Thurgau. In Bischofszell besass der Bischof nicht nur die niedere sondern auch die hohe Gerichtsbarkeit, die er sich urkundlich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts vom König bestätigen liess. Seine herausragende Rechtsstellung als alleiniger Gerichtsherr in Bischofszell (und so auch in Arbon) innerhalb der weit über hundert meist kleinen Herrschaften im Thurgau war bis 1798 stetiger Anlass zu Reibereien und Zwiespalt mit den eidgenössischen Orten, welche die Landesherrschaft im Thurgau beanspruchten.

Die Erschliessung der Rechtsquellen von Stift und Stadt Bischofszell samt dem weiteren Kreis des Stadtgerichts und der meist in rechtlicher Beziehung zu Bischofszell stehenden Nachbarschaft hat im Oktober 2007 begonnen.

 

Weit gestreut ist das Archivmaterial. Zentrales Rechtsquellenmaterial findet sich beispielsweise in folgenden Archiven:

  • im Generallandesarchiv Karlsruhe (hierher kamen bedeutende Teile des Archivs des Bischofs von Konstanz),
  • in den Staats- und Kantonsarchiven der den Thurgau regierenden Orte (mit umfangreichen Beständen vor allem in Luzern und Zürich) sowie
  • im Staatsarchiv in Frauenfeld mit bedeutenden archivalischen Quellen,
  • im Stadt- und Stiftsarchiv St. Gallen etc.
  • Wertvoll ist ferner der Bestand des Bürgerarchivs Bischofszell, der für die Zeit nach dem vorläufigen Abschluss des Thurgauischen Urkundenbuches, das bis 1400 gediehen ist, noch kaum je systematisch erforscht worden ist.


Wichtigste gedruckte Quellenwerke für Bischofszell sind – wie erwähnt– das Thurgauische Urkundenbuch, weiter das Chartularium Sangallense und das Urkundenbuch der Abtei St. Gallen sowie die Eidgenössischen Abschiede.

 

 

Projektrelevante Publikation:

 

SALZMANN Martin, Die Rechtsquellen der Städte Wil (SG) und Bischofszell (TG), in: Die Rechtsquellen des Kantons St. Gallen. Editorische Tradition, neue Projekte, praktische Anwendungen (153. Neujahrsblatt, hg. vom Historischen Verein des Kantons St. Gallen), St. Gallen 2013, S. 68–71.

 

SALATHÉ André, Die Rechtsquellen-Edition des Kantons Thurgau, in: Clio küsst den Thurgau. Der Historische Verein und die Geschichtsforschung im Thurgau 1859–2009, hg. von Verena Rothenbühler und André Salathé (Thurgauer Beiträge zur Geschichte 145), Frauenfeld 2009, S. 81–95.