Datierungsrichtlinien

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Grundsätze

  • Möglichst grosse Vereinheitlichung
  • Nach Sprachen getrennter Abruf möglich (sprachliche Gepflogenheiten): DE, FR, IT
  • Circumcisionsstil (Jahresanfang am 1. Januar), Annutiationsstil (25. März) oder Natalstil (25. Dezember) muss vermerkt werden.


Grundsätze speziell für die Retrodigitalisierung

  • Übernahme der Datierung wie durch den Band gegeben
  • Nachvollzug des Originaleintrags im Inhaltsverzeichnis möglich (nur bei problematischen Fällen)
  • Möglichkeit der Darstellung in «chronologischen Inhaltsverzeichnissen»
  • Nach Sprachen getrennter Abruf möglich (sprachliche Gepflogenheiten): DE, FR, IT
  • Circumcisionsstil (Jahresanfang am 1. Januar), Annutiationsstil (25. März) oder Natalstil (25. Dezember) muss vermerkt werden.
  • Mehrere <date>-Tags im Inhaltsverzeichnis sind möglich (für Retrodigitalisierung), in der digitalen Edition jedoch nicht.

Eindeutige Datierung

(mit eindeutiger Datierung/Datierungstext):

• Daten werden gemäss ISO 8601 im @when normalisiert (YYYY-MM-DD). Nach ISO 8601 und TEI ist bei der Verwendung des @when Attributs immer der Gregorianische Kalender gemeint.

• Hierarchisch übergeordnete Leerstellen (Jahr, Monat) werden in @when mit einem Bindestrich ("-") angegeben. Hierarchisch untergeordnete Leerstellen (z. B. fehlender Tag) werden jedoch nicht speziell gekennzeichnet.

• Datierungen nach Heiligen- oder Festtagen werden mit Hilfe des Grotefend aufgelöst. Auf der Website: http://www.manuscripta-mediaevalia.de/gaeste/grotefend/grotefend.htm gibt es verschiedene Hilfsmittel. Auch ein Rechner steht zur Verfügung.


Beispiele:

<date when="2001">The year 2001</date>
<date when="2001-09">September 2001</date>
<date when="2001-09-11">11 Sept 01</date>
<date when="--09-11">9/11</date>
<date when="--09">September</date>
<date when="---11">Eleventh of the month</date>


Nach: TEI (letzter Abruf: 18.01.2011)

Uneindeutige Datierung

(Datierungstext)

1. Mehrere Datierungen innerhalb eines Stücks

Verwendung mehrerer Datums-Elemente. (Die Verwendung mehrerer Datums-Elemente muss begründet sein und sich auf das Stück beziehen. Datierungen von Bemerkungen, ähnlichen Stücken oder Abschriften gehören nicht in diese Datierung (evtl. <note> verwenden). Grundsätzlich sind jedoch diese Datierungen gleich zu behandeln.)

<date when="1736-11-08">1736 November 8 / 22</date>
<date when="1736-11-22"/>

2. Zeiträume

Zeiträume werden mit den Attributen @from und @to innerhalb von <date> ausgezeichnet.


1521 Dezember 11 – 1544 April 16:

<date from="1521-12-11" to="1544-04-16">1521 Dezember 11 - 1544 April 16</date>

1717–1718

<date from="1717" to="1718">1717-1718</date>

3. Unterbrochene Zeiträume

(Begründung muss wie in 1. vorliegen.)
Die Zeiträume werden in mehreren Tags kodiert:


Retrodigitalisierung

1610, 1620–1635:

<date when="1610">1610, 1620–1635</date><date from="1620" to="1635"/>


1466, 25. Mai und 25. Heumonat:

<date when="1466-05-25">1466, 25. Mai und 25. Heumonat</date><date when="1466-07-25"/>

4. Nicht eindeutige, jedoch zuordenbare Datierungen

Unsichere Jahresangaben, zum Beispiel wohl 1491, wird mit <precision> inkl. Attribute @match und @degree ausgezeichnet.

<date when="1491">wohl 1491<precision match="@when" degree="0.5"/></date>


Datierungen, die nicht eindeutig sind, jedoch zugeordnet werden können, werden als Intervalle kodiert:

Jeweils mit @from, @to

Beispiel Werte
@from & @to
Zeitspanne:
Schlüssel
17. Jh. 1601/1700 Jh.: 100
1. Hälfte 15. Jh. 1401/1450 Hälfte: 50
<date from="1401" to="1450">1. Hälfte 15. Jh.</date>


Jeweils mit @notBefore, @notAfter und <precision @match @degree/>

Beispiel Werte
@notBefore & @notAfter
Zeitspanne:
Schlüssel
Ende 15. Jh. 1475/1500 Ende: 25 Jahre
Ca. 1510 1500/1520 Ca.: +/-10 Jahre
Mitte 15. Jh. 1440/1460 Ca.: +/-10 Jahre
Mitte 1555 1555-06/1555-07 Ca.: +/-1 Monat
Ende März 03-21/03-31 Ende: 10 Tage
Anfangs Juli 07-01/07-10 Anfangs: 10 Tage
<date notBefore="1500" notAfter="1520">Ca. 1510<precision match="@notBefore, @notAfter" degree="0.5"/></date>
<date notBefore="1386-07-01" notAfter="1386-07-10">1386 anfangs Juli<precision match="@notBefore, @notAfter"
degree="0.5"/></date>

5. Nicht eindeutige, nicht zuordenbare Datierungen

Datierungen, die nicht eindeutig sind und nicht zugeordnet werden können, sollen, falls möglich, auch als Intervalle kodiert werden (analog 4., mit möglichst präziser Annäherung):

Jeweils mit @notBefore, @notAfter und <precision @match @degree/>

Beispiel Werte
@notBefore & @notAfter
Zeitspanne:
Schlüssel
Vor 1688 1638/1688 Vor: -50 Jahre
Nach 1688 1688/1738 Nach: +50 Jahre
Um 1500, ohne Datum 1490/1510 Um: +/-10 Jahre
1730 [nach November 20] 1730-11-21/1730-12-31 Bis Jahresende
vor 10.1738 1738-08/1738-10 3 Monate
wohl oder ? 1738 1738-01-01/1738-12-31 1 Jahr
nach 08.1738 1738-08/1738-10 3 Monate


post quem Datierungen müssen in ihrer „certainty“ nicht hinterfragt werden, jedoch das angegebene „End-“ bzw. „Beginndatum“:

<date notBefore="1730-11-21" notAfter="1730-12-31">1730
 [nach November 20]<precision match="@notAfter" degree="0.5"/></date>


Bei Berufs- oder Amtsbezeichnungen, bei denen man weiss, bis wann jemand im Amt war, handhaben wir das wie folgt: @notAfter und bekannte Jahreszahl; @notBefore mit -10 Jahre

z. B. bis 1499

 
<date notAfter="1499" notBefore="1489">bis 1499<precision match="@notBefore" degree="0.5"/></date>

6. „Fälschungen“ / Datierungsänderungen

Grundsätzlich wird von der Erkenntnis des Editors ausgegangen (v. a. im Regest – eine entsprechende andere Datierung wird sowieso im Fliesstext vorkommen und muss entsprechend ausgezeichnet werden).


7. Neuer Stil / Alter Stil

Herkömmliche Regeln:

1. Es wird grundsätzlich nach dem neuen Stil datiert. Wenn ein Dokument nicht von einer Behörde stammt, die nachgewiesenermassen nach altem Stil datiert (z. B. Kanzleien von Zürich und Bern), wird bei einem unkommentierten Datum von einer Datierung nach neuem Stil ausgegangen.

2. Datierung nach dem alten Stil oder nach beiden Stilen werden in sachkritischen Anmerkungen, aber nicht im Regest festgehalten.

3. Wo nicht sicher ist, nach welchem Stil datiert wurde und begründete Zweifel an einer Datierung nach neuem Stil vorliegen, wird dies ebenfalls in einer sachkritischen Anmerkung festgehalten.


Digitale Edition:

Julianischer Kalender (alter Stil)

Das im edierten Stück angegebene Datum bzw. der Datierungstext wird belassen. Die Normalisierung und Kennzeichnung des Datums oder der Zeitspanne erfolgt mit den entsprechenden Attributen im ISO-Stil, d. h. im Gregorianischen Kalender bzw. im neuen Stil. Zusätzlich wird jedoch das Attribut @calendar mit dem Wert "Julian" verwendet.

<date from="1588-09-13" to="1588-09-30" calendar="Julian">Zwischen 3. und 20 September 1588</date>


Speziell für die Retrodigitalisierung:

Sowohl das Gregorianische als auch das Julianische Datum werden in den Inhaltsverzeichnissen im ISO-Stil wiedergegeben. Werden beide Daten aufgeführt, werden beide mit dem Attribut @calendar und dem Wert "Julian" oder "Gregorian" versehen. Kommt in dem jeweiligen Inhaltsverzeichnis nur ein Datum vor, wird dieses nicht speziell gekennzeichnet, sondern als gregorianisch angenommen.


<date from="1588-09-03" to="1588-09-20" calendar="Julian">Zwischen 3. und 20. September 1588</date>
<date when="1588-09-13" to="1588-10-30" calendar="Gregorian">Zwischen 13. und 30. September 1588</date>

Automatische Umrechnung vom Alten in den Neuen Stil: http://www.manuscripta-mediaevalia.de/gaeste/grotefend/grotefend.htm (Rechner)

Kalenderwechsel

Die sieben katholischen Orte gingen - mit Ausnahme von Ob- und Nidwalden - am 12./22. Januar 1584 zum neuen Stil über. Obwalden und Nidwalden nahmen den neuen Kalender einen Monat später an.

In der gemeineidgenössischen Vogtei Thurgau führte die Anwendung des neuen Stils 1584 zu Spannungen zwischen Zürich und den fünf inneren Orten. Am 6.3.1585 verfügte die Badener Tagsatzung die Feier der kirchlichen Feste nach dem neuen Kalender; die Evangelischen durften jedoch Weihnachten, Stephanstag, Neujahr, Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten nach dem alten Stil begehen.

Im Appenzellerland führte die Einführung des Gregorianischen Kalenders zum Widerstand der Äusseren Rhoden. Innerrhoden nahm den neuen Stil 1584 an, Ausserrhoden erst während der Helvetik, an Weihnachten 1798.

Im Wallis erfolgte der Übergang am 1./11. März 1656. Im Untertanengebiet des Unterwallis hatte der neue Stil schon 1622 Einzug gehalten.

Die evangelischen Stände Zürich, Bern, Basel und Schaffhausen, zudem Katholisch-Glarus, Neuenburg und Genf gingen am 1./12. Januar 1701 zum neuen Kalender über. Die Stadt St. Gallen folgte 1724. Evangelisch-Glarus nahm den neuen Stil in der Helvetik am 4.7.1798 an.

In Graubünden wurde der Gregorianische Stil in katholischen Gemeinden 1623/1624 eingeführt. In den paritätischen Gemeinden folgten die Katholiken ab der Mitte des 17. Jahrhunderts dem neuen Kalender, die Reformierten erst ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In den evangelischen Gemeinden erfolgte der Übergang zwischen 1783 (Oberengadin und Bergell) und 1812 (Schiers und Grüsch).

Literatur: HLS (Kalender), URL: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D12812.php

Luzern: Tag der Umstellung: 12. Januar 1584 alten Stils = 22. Januar 1584 neuen Stils[1]

Verweise

  1. StALU RP 39, fol. 7r.

8. Jahresanfangsstile

Die unterschiedlichen Jahresanfangsstile [Circumcisionsstil (Jahresanfang am 1. Januar), Annutiationsstil (25. März) oder Natalstil (25. Dezember)] müssen in <date> mit Hilfe von @calendar vermerkt werden.


Annuntiationsstil

Der Annuntiationsstil gilt in der Diözese Lausanne und in Freiburg von den Anfängen bis in die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, sonst in der Diözese Lausanne bis in die 1. Hälfte 16. Jahrhundert.


In SDS FR I/2/6 wird der Annuntiationsstil mit n. st. (= nouveau style) angezeigt, das Datum wird aber gemäss modernem Kalender aufgelöst.

Beispiel:

5. Ordonnance au sujet des voies de fait. http://www.ssrq-sds-fds.ch/online/FR_I_2_6/index.html#p_5 1364 (n. st.) février 4. In der Quelle steht folgende Datierung: ... le quatre jour du mois de février en l’ans Notre Seigneur courant 1363 ...

Weil nun der 4. Februar in der Zeit zwischen dem 1. Januar (oder allenfalls 25. Dezember) und dem 25. März (= Annuntiation Mariä) liegt, verwandelt die Editorin zu Recht den 4. Februar 1363 in den 4. Februar 1364.

<date when="1364-02-04" calendar="annunciation style">le quatre jour
du mois de février en l’ans Notre Seigneur courant 1363</date>

Termine und Fristen

Termine (Weidetermine, Jagdzeitbeschränkungen etc.) werden auch als Datierungen mit <date> und @when ausgezeichnet. Zur Kennzeichnung, dass es sich um einen Termin handelt, wird @type mit dem Inhalt "deadline" eingefügt.

Zum Beispiel bei einem Termin:

wellind und doch nit
länger dann bis <date type="deadline" when="--04-16">zuͦ mittem aprellen</date>


Schonfrist von Fischen vom 3. Januar bis 4. März

<date from="--01-03" to="--03-04"></date>


Bewegliche Feiertage: z.B. Fastenzeit: von Aschermittwoch bis Karfreitag mit Taxonomie lösen